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Diana Ross European Tour 2005 ( Germany & Switzerland & Cyprus )
Diana Ross in Hamburg
Mit alten Hits auf der Höhe der Zeit
Als wäre die Zeit stehen geblieben: Diana Ross mit atemberaubendem Kleid bei ihrem Konzert in Hamburg "I'm coming" hatte sie schon aus dem Off gerufen und Sekunden später war sie da: Diana Ross wurde in Hamburg begeistert gefeiert. Zusammen mit ihren Fans unternahm die 61-Jährige eine Zeitreise in die 70er und 80er Jahre.
Mit diesem Hit katapultierte sich Diana Ross 1980 zurück in die Charts: "I'm Coming Out" ist einer der größten Songs der Diva. Und eben damit begrüßte sie am Mittwochabend auch ihre Fans im Hamburger Kongresszentrum. Was folgte, waren 80 Minuten Hits am Stück, getreu dem Motto ihrer "Greatest Hits Tour 2005".
"I'm Coming Out" genügt, um das als zurückhaltend verschriene Hamburger Publikum von den Sitzen des bestuhlten Saal 2 im CCH zu holen. Was in einer großen Konzertarena undenkbar wäre, war in dem einer Schulaula gleichenden Raum kein Problem: Hunderte der rund 1300 Zuschauer stürmen nach vorne und stehen schließlich keine zwei Meter von ihrem Idol entfernt. Da sind auch die miserable Akustik und die katastrophale Organisation schnell vergessen. Die Arme nach oben gestreckt tanzen und singen sie mit. Jeder Song ein Superhit: "Baby Love", "You Can't Hurry Love", "Stop in The Name of Love" und "You Keep Me Hangin' On".
Die Ross kennt kein Alter Wer sich gefragt hatte, warum die "Entertainerin des Jahrhunderts", wie die Fachzeitung "Billboard Magazine" Diana Ross nannte, mit ihren 61 Jahren noch einmal auf Tournee geht, bekam im CCH die Antwort: Weil es ihr Spaß macht. Sichtlich vergnügt winkt sie ihren Fans zu, meistert kleine Pannen wie den Ausfall des Mikrofons und einen Stolperer, der beinahe zu einem Sturz geführt hätte, süffisant und selbstironisch mit einem Lächeln. Ihre Stimme ist so präsent und gefühlvoll wie eh und je, den ein oder anderen falschen Ton verzeihen ihr die Fans gerne. Zwei Backgroundsänger und acht Musiker unterstützen Diana Ross gekonnt und ausdauernd.
Die Musik hämmert ohne Pause während der 80-minütigen Show. Diana Ross verschwindet ein paar Mal hinter der Bühne und kehrt in neuem Outfit zurück. Passend zur Motown-Zeit trägt die fünffache Mutter ein pinkfarbenes Minikleid mit langem Beinausschnitt und rauschenden Volants. Beim Jazz erscheint sie in Weiß und am Ende präsentiert sie sich in goldener Garderobe, bis sie beim letzten Song in einem schlichten schwarzen Kleid auf der Bühne steht. Nein, eine alte Oma bekommt das Publikum wahrlich nicht zu sehen. Eher scheint es so, als sei die Zeit Anfang der 80er Jahre stehen geblieben.
Party statt Konzert 1970 hatte sich Ross von den Supremes getrennt, der Anfang eines kreativen Höhenflugs. Als sie "Ain’t No Mountain High Enough" anstimmt, ihren ersten Solo-Hit, kennt der Jubel keine Grenzen. Es wirkt, als habe die Ross zu einer großen Party mit alten Bekannten geladen. Und eben das ist das Geheimnis ihres Erfolges. Diana Ross ist und bleibt ein Star zum Anfassen.
Diana Ross begeisterte, aber viele Plätze leer
Zwei Pop-Legenden auf einen Streich war für die Hamburger zuviel des Guten. Nach James Browns Stadtpark-Auftritt am Vorabend blieben beim dritten Deutschland-Konzert von Diana Ross im Saal 2 des CCH reichlich Sitze frei. Beim saftigen Kartenpreis von 122 Euro für die erste Kategorie kaum verwunderlich.
Hamburg -
Doch die gekommen waren - knusprig getoastete Tunten zu Hauf, Fans vom selben Jahrgang wie die Sängerin, auch das obligate Diana-Double mit schwarzer Lockenmähne in knalligem Pinkkleid - feierten ihren Star frenetisch von Anfang an: Kaum betrat Ross in Rot die Bühne, löste sie mit "Chain Reaction" wahre Begeisterungswellen aus.
Zu Recht: Als Soul-Sirene mit 61 bleibt sie unübertroffen. Keine streift so gekonnt Volantkaskaden ihrer Robe von den Schultern, um den Rock abzureißen und im Mini mit makellosen Beinen dazustehen. Kleine Mißgeschicke, wie das ausfallende Mikro oder Stolpern auf Plateausohlen pariert sie cool, kokettiert mit der Menge, geht huldvoll auf Tuchfühlung mit ihren Bewunderern, bringt sie nostalgieselig zum Mitklatschen und Mitsingen.
Kostüm- und Musik-Show sind bei der Greatest-Hits-Tour der Disco-Diva eins: Souverän zieht sie alle Register - von den "Supreme"-Songs ("Baby Love", "Stop! In the Name of Love") über "Upside Down" bis zu "Touch Me" - läßt zu "It's My House" verführerisch schneeweiß glitzernde Tüllwolken um ihren synthetischen Leib spielen. Beim Finale erscheint Ross schlicht im kleinen Schwarzen und wirkt - wie in den zu Herzen gehenden Blues-Songs aus dem Billie-Holiday-Film "Lady Sings the Blues" (1972) - am stärksten. Ihre Stimme strahlt, sie verfügt über Fülle, Glanz und Nuancen. Zur Schwulenhymne "I Will Survive" tobt wieder der Saal.
Ganz ehrlich: Diana raubt einem noch immer den Schlaf: Der Autor schrieb die Zeilen von 3 Uhr 46 früh bis 4 Uhr 39 in der Hitze der Sommernacht, ist aufs Neue überzeugt davon: She will survive. Forever Young. Denn alle ihre Songs drehen sich um die Liebe.
(-itz)
erschienen am 15. Juli 2005
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